Wie und wieso ich meinen Photo Booth gebaut habe

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Begonnen hatte alles mit der Einladung zu einer Silberhochzeit, wo meine Frau und ich damals die Trauzeugen waren. Wir überlegten uns, was wir dem Paar nun schenken könnten, aber irgendwie hatte wir keine zündende Idee. Also haben wir das mit dem Geschenk erst einmal zurückgestellt. In dieser Zeit bekamen wir die Einladung zu einer Buchvorstellung bei Patrick Ludolph von neunzehn72 in Hamburg. Dort hatte ich die Möglichkeit, mir seinen Booth etwas näher anzusehen.

Ich muß ehrlich gestehen, dass ich bis dato so einen Photo Booth für überflüssig hielt. Bei Paddy wurde ich aber eines besseren belehrt! Ich hatte dort die Möglichkeit, seinen Booth etwas genau unter die Lupe zu nehmen, und zehn Minuten später………….Ich brauche auch so einen Booth!!!! Und den stellen wir dann als erstes bei der Silberhochzeit auf. Schon auf der Rückfahrt von Hamburg schwirrten in meinem Kopf hunderte von Ideen rum.

Wieder Zuhause wurde erstmal das Internet bemüht, aber so richtig was gefunden habe ich nicht. Es gibt zwar viele Seiten und Videos über den Bau eines Booths, aber ich habe nicht wirklich das gefunden, was ich gesucht habe. Paddy´s Booth ist ein richtiges Schmuckstück, er sieht aus wie mehrere übereinander gestapelte Überseecontainer, was so richtig gut zu Hamburg passt. Nun, ich komme ja aus dem Ruhrpott, und deswegen sollte mein Booth etwas damit zu tun haben. Was steht also für den Pott?Genau, Kohle und Stahl. Meine erste Idee war, mach was mit Kohle. OK ……also Kohle, Kohle gleich Zeche, Zeche gleich Förderturm.

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Leider stellte sich heraus, dass die Form eines Förderturms nicht zu einem Booth passt. Also musste etwas anderes her………. Beim Anblick des alten Förderturms kann dann die Idee. Nicht Kohle, sondern Stahl. Gut, das Motto stand! Meine Vorstellung waren drei einzelne Boxen. In der oberen die Technik, in der mittleren der Drucker und unten der Stromanschluß. Die Boxen sollten nicht zu schwer werden und gut zu transportieren sein.

Nun ging es um die Technik. Als Kamera sollte meine alte Canon 40D herhalten. Das war aber auch das einzige was ich schon hatte…..ok nicht viel. Was wollte ich eigentlich haben? was sollte der Booth können? Er sollte einfach zu bedienen sein, selbständig arbeiten, Bilder in Echtfotoqualität drucken und ein Touchdisplay haben. Was ich nicht wollte, war eine Lösung mit Fernauslöser.

Da ich ja der totale Apple Fan bin, kam nur eine Apple Lösung in frage. Nur leider gibt es keine richtig gute Lösung. Dann bin ich über die Software von dslrbooth gestoßen. Diese gibt es für Win und Mac. Also erst einmal eine Testversion geladen. Habe die Software dann ausgiebig mit meinem Macbook getestet und bin zu dem Schluß gekommen, sie ist es. Und schon tauchten neue Probleme auf. Sie funktioniert zwar sehr gut am Mac, aber nicht auf dem iPad, mh das ist jetzt aber doof, denn ich wollte ja eine Lösung mit einem Touchdisplay. Was nun? Ein Touchdisplay kaufen und an den Mac hängen? Keine gute Idee, denn irgendwie wollte ich nicht meinen Mac in Kiste einbauen und dann irgendwo aufstellen.

Es musste eine andere Idee her. Gut OS X geht nicht, also Windows (es fällt mir echt schwer, schon dieses Wort zu schreiben). Mein Neffe Nils hatte dann die Idee einen Intel Stick zu nehmen, und einen separates Touchdislplay. Als ich gerade den Stick bestellen wollte, sagte ein Freund mir „Was ist denn mit einem Windows Tablet?“ Noch besser, Computer und Display in einem Gerät. Und wieder begann die Suche. Erste Wahl war ein Microsoft Surface 3 zu nehmen, bis ich den Preis gesehen hab……ähmm nein gefällt mir doch nicht so gut. Dann habe ich den Tipp bekommen „fahr doch mal nach Essen zu Medion“ Medion? Aldi? ne. Na gut, bis Essen ist es ja nicht so weit, da könnte man mal rasch vorbei fahren. Auf der Rückfahrt lag dann eine AKOYA Tablet auf dem Rücksitz.

So nun hatte ich fast alles zu Hause, Kamera, Tablet, und Software. Aber da war doch noch was…………. verdammt, der Drucker. Na ja kann ja nicht so schwer sein. Leider sieht es aber ganz anders aus. Es gibt so gut wie keinen guten Drucker für einen Booth. Paddy nutzt ja einen DNP DS40. Mal googeln, ups gebraucht nicht unter 700€ zu bekommen. Ne, das war mir dann doch zu viel.  Was nun?   Hilfe!!!!!!! ……………wächst mir das jetzt alles über den Kopf?

Dann bekam ich aber eine ganz liebe Nachricht von Tanja Ludolph, sie sagte, dass Paddy doch ein eBook über seinen Booth geschrieben hat, und ich sollte doch da mal rein schauen. Im Anhang noch der Link zu dem Buch. An dieser Stelle ganz vielen lieben Dank an Euch Beide!

Aber die Sache mit dem Drucker war ja noch nicht geregelt. 700€ war mir, wie gesagt, zu viel. Dann blieb leider nur ein Canon Selphy CP1200. Dieser Drucker hat aber den Nachteil, dass in die Papierkassette immer nur 18 Blatt  10 x 15cm Papier reingehen, und dann immer jemand da sein muss, der  Papier nach legt. Aber für die ersten Tests sollte und mußte es reichen. Mittlerweile sage ich aber doch, dass ein DS40 her muß (hab schon einen in Aussicht ;-).

So nun ans Gehäuse. Da ich ja alles selber machen wollte, mußte das Zeichenbrett her. Nach einem langen Abend hatte ich dann die Materialliste in der Hand. Eine lange Liste. Für den Korpus habe ich MDF in 10mm genommen. Gekauft und zugeschnitten bei Hornbach.  Als erstes mußten die Ausschnitte gemacht werden.

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Der Zusammenbau aller Teile war zwar etwas zeitaufwendig aber nicht sehr schwer. Nach der Teilmontage habe ich alle Komponenten angepasst und eingebaut und alles getestet.

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Unser Salem meint es wär seine Kiste

So und was mache ich jetzt außen dran? Wie gesagt, es sollte ja wie aus Stahl aussehen. Ok streichen, aber wie? In grau? Sieht bestimmt nicht so doll aus……Ach ich hatte doch da das Bild von dem Förderturm, ja genau das ist es, Rost!….es soll wie rostiger Stahl aussehen! Aber wie macht man das……huhu Google. Ich habe viele Seiten über Rostfarbe gefunden aber nur ein Hersteller konnte mir das liefern, was ich wollte, und das war die Firma TV Farben aus Hamburg (Irgendwie hab ich was mit Hamburg). Gesagt getan, Rostset bestellt und nach einem Tag kam der freundliche DHL Boote mit meinem Paket. Was aber noch fehlte, waren die Nieten, die den Booth zieren sollten, die hatte ich vergessen mit zu bestellen. Also noch mal zwei Tage warten. Dann hatte ich alles zusammen und es konnte los gehen. Ein paar kleine Details musste ich ausarbeiten.

Als erstes mussten alle Nähte und Schrauben abgespachtelt werden. Dann kam eine Grundierung auf die gesamten Flächen. Nach der Trocknung ging es mit der Rostfarbe los. Das Set besteht aus einer eisenhaltigen Farbe und einem Rostaktivator. Bei diesem System handelt es sich nicht um eine Farbe, die wie Rost aussieht, sondern um echten Rost. Der Aktivator läßt die Farbe in echt rosten. Dieser Vorgang dauert 24 Stunden. Danach kann man, wenn man möchte, die Flächen mit einem Schutzlack, der auch im Set mit dabei ist, überziehen.

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Zweiter anstrich mit der Eisenfarbe

 

Nach dem dann alles getrocknet war, habe ich den Booth komplett zusammen gebaut und ausgiebig getestet. Es hat wirklich alles so geklappt,  wie ich es mir vorgestellt habe. Was mir noch während des Bauens eingefallen ist, wie wäre es, wenn die Gäste auf einem separaten Monitor sehen könnten, was für Fotos gemacht wurden. So ne Art Diashow.  Also noch fix eine Monitorhalterung gekauft, meinen alten 22″ Monitor rausgeholt,  und alles an den Booth geschraubt. Als Software habe ich Faststone Diashow genommen. Diese aktualisiert sich automatisch, sobald ein neues Bild aufgenommen wird. Es fehlte nur noch ein Biltz, dafür musste ein Minilight 200 von Multiblitz herhalten. Auf der Photokino erwarb ich dann einen 60 cm Beauty Dish, der jetzt obendrauf  zusammen mit dem Biltz einen guten Job macht.

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Schweißnähte

So nun war er also fertig! Nach 7 Wochen Planung und Bau stand dem Einsatz auf der Silberhochzeit nichts mehr im Weg. Dachte ich zumindest, denn die Silberhochzeit wurde abgesagt……Mist! Und was nun? Stimmt, da war doch noch was, eine Einladung zu einem 80´Geburtstag. Aber so ein Booth bei so einer Feier? Einer Feier mit einem Altersdurchschnitt jenseits der 60 Jahre. Macht das wirklich Sinn?…….Leute glaubt mir, es macht Sinn!

Leider konnten wir zu der Feier erst gegen 20 Uhr erscheinen, aber da  machten die Gäste schon den Eindruck, jeden Moment gehen zu wollen. Sollte ich das Ding wirklich aufbauen? Jetzt noch? Aber für den ersten realen Test dachte ich, es würde reichen. Als ich den Booth dann schon komplett aufgebaut in den Saal gefahren hatte, gingen die Fragen los. Was ist das? Macht das Musik? Ist das aus Eisen? Na ja und nachdem alles eingerichtet, hochgefahren und bereit war, ging es los. Es waren 19 Gäste anwesend und wir haben 69 Fotos gemacht, von denen wir 40 Stück ausgedruckt haben. Was soll ich sagen, es war ein voller Erfolg! Es war so gut, dass alle Gäste doch noch bis 23 Uhr geblieben sind. Die alten Leutchen wurden zu Partylöwen.

Aus den gemachten Bilder hab ich dem Geburtstagskind noch ein Fotobuch gemacht und es ihm geschenkt, was auch wirklich gut angekommen ist.

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Am letzten Montag war der Booth auf einer Jubiläumsfeier mit 40 Gästen. Auch hier war es ein voller Erfolg. Allerdings stellte sich hierbei heraus, dass ein DNP Drucker doch besser wäre, da das permanente Nachfüllen des Papiers und der Folienkassette des Druckers sehr lästig sein können.

Mittlerweile habe ich bereits mehre Anfragen, ob wir den Booth auch verleihen.

So, das war es erst einmal.

Gruß Peter

 

 

 

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